Rechnung der Fa. August Kunst aus dem Jahr 1891
Rechnung der Fa. August Kunst aus dem Jahr 1902
Arbeitszeugnis aus dem Jahr 1907
Urkunde zur Ausbildungsberechtigung im Jahr 1911
Lohntarif aus dem Jahr 1929
Mitglieder der Klempner- und Installateur-Innung Essen bei einem Innungsausflug am 12. Oktober 1949 nach Remscheid
Die besten Hausfrauen werden beim Bundeswettkochen 1954 im Essener Saalbau ermittelt
Die neue Produktpalette - Schaufenster in den 50er Jahren

Die Innung - Historie

Unter der napoleonischen Besetzung Essens sind Anfang des 19. Jahrhunderts entsprechend der französischen Gesetzgebung die Zünfte aufgelöst worden. Erst zu Beginn der 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts entstanden neue Innungen. Anlass gab dazu das Innungsgesetz von 1881, das für die Innungen die Einrichtung des öffentlich-rechtlichen Körperschaftscharakters brachte. Das sogenannte Handwerkerschutzgesetz vom 26. Juli 1897 führte dazu, dass sich in Essen weitere Innungen gründeten. Auch verschiedene Klempner- und Installateurmeister beschlossen im Jahr 1897 (in Essen lebten damals 100.000 Menschen und es gab exakt 42 Installateur- und Klempnerbetriebe), eine Innung für das Klempner- und Installateurhandwerk zu gründen. Nachdem der Antrag an den Regierungspräsidenten gestellt war, wurde diesem schließlich im Jahre 1898 stattgegeben. 

In der Gründungsversammlung wurde sodann der Klempner- und Installateurmeister Paul Schnettker zum ersten Obermeister der Innung gewählt. Als stellvertretender Obermeister stand ihm Herr v. d. Weppen zur Seite. In den Innungsvorstand wurden ferner Otto Degenhardt, Felix Schlenkert, Arnold Kohl und Heinrich Blümling gewählt.

Das Handwerkerschutzgesetz vom 26. Juli 1897 brachte neben der Errichtung der Handwerkskammern vor allem die Möglichkeit zur Gründung fakultativer Zwangsinnungen. Neben den bisher bestehenden freien Innungen konnten nun Zwangsinnungen gegründet werden. Die Errichtung musste durch behördliche Verfügung erfolgen, wenn die Mehrheit der im Innungsbezirk vorhandenen beteiligten selbstständigen Handwerker der Einführung des Beitrittszwanges zustimmte.

Die 1898 gegründete Klempner- und Installateur-Innung Essen war eine solche Zwangsinnung, d. h. jeder zur damaligen Zeit selbständige Klempner- und Installateurmeister Essens musste sich der Innung anschließen. Innungsversammlungen wurden regelmäßig alle 4 Wochen abgehalten.

Wer unentschuldigt fehlte, wurde mit einem Bußgeld belegt. Zu den Aufgaben der Innung gehörte damals schon die Förderung der Berufsausbildung und die Durchführung von Gesellen- und sogar Meisterprüfungen. Nach Obermeister Schnettker wurde dieses Amt in den folgenden Jahren von den Herren v. d. Weppen und Degenhardt bekleidet.

Im Jahr 1907 schloss sich die Essener Klempner- und Installateur-Innung dem Rheinischen Fachverband an. Die wichtigsten Aufgaben des Fachverbandes waren damals, die berufsständischen Belange der einzelnen Innungen zu fördern, Verhandlungen mit den Landesregierungen und Regierungspräsidenten zu führen, die Vertreter zu den Berufsgenossenschaften zu wählen, den Lohn und die Arbeitszeit zu regeln sowie die fachlichen Vorschriften für das Lehrlingswesen auszuarbeiten.

Erst im Jahr 1912 schloss sich die Innung dem örtlichen Innungsausschuss, dem Rechtsvorgänger der Kreishandwerkerschaft an, der die Aufgabe hatte, die in Essen ansässigen Innungen zusammenzuschließen und durch eine gemeinsame Geschäftsführung zu vertreten, die Ausbildungsverhältnisse in der Stammrolle einzutragen und Verhandlungen mit den städtischen Behörden zu führen. Die einzelnen Innungen blieben jedoch weiterhin selbstständig.

Mit dem Ende des 1. Weltkrieges im Jahr 1918 wurde von Seiten der Versammlung ein neuer Vorstand gewählt, an deren Spitze Obermeister Schlenkert stand. Obermeister Schlenkert führte die Geschäfte der Innung bis zum Jahr 1933 durch eine turbulente Zeit. Nach der Scheinblüte der Jahre 1925 bis 1930 stand an deren Ende der schwere wirtschaftliche Rückschlag, der die Zahl der Erwerbslosen unermesslich ansteigen ließ. Manche Kollegen mussten ihren letzten Gesellen entlassen und standen häufig allein in ihrer Werkstatt ohne nennenswerte Arbeit. Im Jahr 1932 kam es dann schließlich zu dem großen Banken- und Börsenkrach. Im Jahr 1933 wurde das 1000jährige Reich ausgerufen, welches 12 lange und unheilvolle Jahre währte.

In die Zeit vor 1933 fiel die Gründung der Sterbekasse des Innungsausschusses unter dem Vorsitz des Klempner- und Installateurmeisters Albert Figge, der sich stets uneigennützig für die Belange dieser Einrichtung und seiner Handwerkskollegen einsetzte.

Obermeister Schlenkert wurde im Jahr 1933 als Obermeister abgesetzt. Jüdische Handwerkskollegen hatten die Versammlungen zu verlassen. Mit staatlicher Duldung konnte Luis Nockemann das Amt des Obermeisters bis zum totalen Zusammenbruch im Mai 1945 ausüben.

Der Krieg hatte das gesamte Essener Handwerk stark gezeichnet. 90 % aller Betriebe waren durch Bomben zerstört worden. Nach der Reichshauptstadt Berlin war Essen die deutsche Stadt, auf die die meisten Bomben niedergegangen waren. Mit dem Wiederaufbau kehrte aber das Leben langsam in die Stadt Essen zurück. Viele Mitglieder der Innung befanden sich nach dem Ende des Krieges in Gefangenschaft. Der kleinere, am Ort verbliebene Teil der Innungsmitglieder wählte recht bald einen kommissarischen Innungsvorstand, dem folgende Herren angehörten: Julius Reuter als Obermeister, Josef Lütz als stellvertretender Obermeister und Andreas Stiller als Lehrlingswart. Weitere Vorstandsmitglieder waren Erich Golland, Peter Gilgen, Arnold Friedrich Kohl, Hans Lörx und Emil Ober. In der darauffolgenden Mitgliederversammlung wurde dieser Vorstand einstimmig genehmigt.

Im Rahmen der zweiten Vorstandssitzung Anfang Oktober 1945 unterbreitete der Lehrlingswart Andreas Stiller den Vorschlag, eine innungseigene Lehrwerkstatt zu gründen. Aufgrund der Tatsache, dass in den Nachkriegsjahren eine ordentliche betriebliche Ausbildung in Folge der Zerstörung von zwei Dritteln aller Klempner- und Installateurbetriebe nicht gegeben war, wurde dieser Vorschlag von allen Vorstandsmitgliedern mit großem Interesse aufgenommen und man beauftragte Andreas Stiller, die innungseigene überbetriebliche Lehrwerkstatt zu gründen.

Auch das Verbandswesen wurde nach dem Ende des Krieges neu entwickelt. Aus dem rheinischen und dem westfälischen Innungsverband heraus wurde der Landesfachverband Nordrhein-Westfalen gegründet, dessen Vorstand zunächst Julius Reuter und anschließend auch Andreas Stiller bis 1969 angehörten.

Im Jahr 1954 legte Obermeister Julius Reuter sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder und es wurde ein neuer Vorstand unter Obermeister Andreas Stiller gewählt. Weitere Mitglieder des Vorstandes waren: Heinrich Everings als stellvertretender Obermeister, Theo Wagner als Lehrlingswart sowie Ewald Berger, Paul Beuten, Josef Bung, Hermann Bungardt, Peter Marliani und Julius Reuter als weitere Vorstandsmitglieder.

Der neue Innungsvorstand setzte dadurch neue Akzente, dass er Bezirksmeister einsetzte, um das Innungsleben auf Bezirksebene zu fördern. Jedes Innungsmitglied konnte in den Bezirksversammlungen persönlich angesprochen werden, Wünsche und Anregungen wurden entgegengenommen, den Betrieben konnte mit Rat und Tat unmittelbar zur Seite gestanden werden.

Die folgenden 20 Jahre des Innungsgeschehens waren geprägt von dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland, der sich auch auf dem Bau- und Ausbausektor bemerkbar machte. Die Innung und ihre Mitglieder erlebten eine Blütezeit der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung. Dieses zeigt sich schon daran, wenn man sich verdeutlicht, dass die heimische Kohle von anderen Energieträgern wie Gas-, Öl- und Fernwärme zunehmend abgelöst wurde und dementsprechend neue Heizsysteme errichtet werden mussten.

Von dem Innungsvorstand des Jahres 1954 blieben Andreas Stiller und Heinrich Everings bis 1972 in ihren Ämtern. In der Innungsversammlung am 28. Februar 1972 traten beide Kollegen aus Altersgründen zurück. Sowohl Andreas Stiller als auch Heinrich Everings ist es zu verdanken, dass bereits am 25. November 1965 mit Martin van Beek ein junger Mann in den Innungsvorstand gewählt wurde, der schließlich vom 22. April 1966 bis zum 12. Mai 1993 das Amt des Lehrlingswartes bekleidete. Martin van Beek hat sich während seiner gesamten Ehrenamtstätigkeit in vorbildlicher und selbstloser Weise um die Belange der Auszubildenden gekümmert und die Lehrwerkstatt nicht nur weiter ausgebaut sondern stets mit den modernsten Techniken ausgestattet.

Wilhelm Kötting löste Andreas Stiller schließlich am 28. Februar 1972 als Obermeister ab. Stellvertretender Obermeister wurde Claus Hövel. Neben Martin van Beek als Lehrlingswart gehörten darüber hinaus die Herren Böhnke, Heinen, Hölting, Kaes, Schultenkamp und Jost, der am 26. November 1973 durch Heinz Wienhusen abgelöst wurde, dem Innungsvorstand an. Bereits am 27. Februar 1975 wurde Wilhelm Kötting von Claus Hövel als Obermeister abgelöst, der die Geschicke der Innung bis zum März 1980 leitete. In diesen Zeitraum fiel die Beschlussfassung der Obermeister, die Kreishandwerkerschaft von der Akazienallee zur Katzenbruchstraße zu verlegen. Dieser Beschluss bedeutete gleichzeitig die Genehmigung für die Kreishandwerkerschaft, ein neues Verwaltungsgebäude nebst überbetrieblichen Lehrwerkstätten zu bauen. Nach der endgültigen Bewilligung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft konnte hiermit im Jahr 1975 begonnen werden. Nachdem die Innungsversammlungen in der Vergangenheit überwiegend im Kegelklubhaus „Wilmes“ am Moltkeplatz oder aber im Essener Saalbau stattgefunden hatten, konnte schließlich die erste Vorstandssitzung am 08. März 1979 und die erste Innungsversammlung am 22. November 1979 in der neuen Kreishandwerkerschaft, dem „Haus des Handwerks“ an der Katzenbruchstraße 71 in Essen-Nord veranstaltet werden.

Aufgrund der kommunalen Gebietsreform vergrößerte sich das Einzugsgebiet der Essener Innung ab dem 01. Januar 1975 um den Bereich Essen-Kettwig. Die 70er Jahre waren aus Essener Sicht darüber hinaus davon geprägt, dass auf Seiten des Fachverbandes der umstrittene Unterstützungsfond eingerichtet und eine Umlage für die Öffentlichkeitsarbeit der SHK-Handwerke erhoben wurde. Heute beweist sich, dass es sich hierbei um eine richtige Entscheidung des Fachverbandes gehandelt hat.

Nachdem die Innung zwischenzeitlich kommissarisch durch den stellvertretenden Obermeister, Werner Hölting geführt worden war, wurde in der Innungsversammlung am 09. April 1981 ein neuer Vorstand gewählt. Als Obermeister wählte die Innungsversammlung Günter Quedeweit, der die Innung über 20 Jahre bis zum Jahr 2004 leitete. Günter Quedeweit stand anfangs weiterhin Werner Hölting als Stellvertreter zur Seite, Lehrlingswart blieb Martin van Beek. Weitere Vorstandsmitglieder waren die Herren Heinen, Mohaupt, Sauerwald, Schultenkamp, Thiemann und Wienhusen.





zurück